Gerade eben aus dem Big Apple zurückgekommen halte ich – noch taufrisch und unverfälscht – fest, was mich an dieser Stadt so beeindruckt. Meinen Fokus als FOODFRIEND, naja, brauch ich wohl nicht näher zu erläutern…

 New York und das Wasser

Wir wohnen in einem privaten Apartment in der Upper Westside, Manhattan, nur wenige Schritte vom Central Park entfernt. Lobby und Aufzug des Gebäudes erinnern mich an den schaurig schönen Film „Birth“ mit Nicole Kidman. Im 19. Stock angekommen, werden wir von Landlady Sue und ihrem Mann in unserer Unterkunft erwartet. Die Wohnung gefällt uns auf Anhieb: gut geschnitten und mit riesiger Terrasse. Von hier aus überblickt man die Upper Westside süd-, ost- und westseitig. It`s just AMAZING!

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Was die Skyline hier maßgeblich prägt, sind riesige Wassertanks, von denen die Dächer gekrönt werden.
Mit den Landlords sind alle Fragen rasch geklärt, doch beim Anblick der Tanks auf den Dächern (deren Wasser übrigens nur im Brandfall zum Löscheinsatz kommt) fällt mir doch noch eine Sache ein: Ich will wissen, ob man das Leitungswasser trinken kann. Man kann, versichert der Landlord stolz. NYC habe das beste Wasser aller Staaten, meint er. Das zeigten die vielen Brauereien, die sich eben deswegen hier angesiedelt haben. – Ah ja. Tatsächlich entgeht mir dann der Chlorgeschmack aber nicht. Tja, als Österreicherin muss man in puncto Trinkwasserqualität wohl nachsichtig sein.
Die Bierqualität habe ich übrigens nicht getestet…

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Big Apple goes local

Am nächsten Morgen besuchen wir den Markt am Union Square. Hier hat man sich lokal und biologisch produzierten Lebensmitteln verschrieben. Der Andrang ist groß, ebenso die Vielfalt an Produkten. Ich staune. Äpfel und Birnen haben Druckstellen, sind vom Runterfallen aufgesprungen und gehen dennoch – oder gerade deshalb – über den Ladentisch. Blattwerk wird – im wahrsten Sinne des Wortes – haufenweise angeboten, entweder noch an Rübe, Knolle oder Wurzelwerk (z.B. Rote Rübe, Karotten, Sellerie, Basilikum) oder separat (z.B. Senfgrün, Mangold, Grünkohl). Dabei gilt: je bunter, desto besser. Faszinierend sind all die „Regenbogen-Versionen“, wie Rainbow Carrots und Rainbow Swiss Chard (Mangold), rot-grün gesprenkelten Cranberry Beans oder gelber Cheddar Cauliflower – eine Karfiolsorte, benannt nach dem intensiv gelben englischen Cheddar Käse.
An jeder Ecke kann etwas verkostet werden: von der Fruchtbutter bis hin zu Mini-Safrantörtchen. Letztere dienen der Bewerbung des neuen indischen Veggie-Kochbuchs von Vikas Khanna, einem Starkoch,  der selbst für eine kleine Plauderei und natürlich das Signieren der verkauften Bücher zur Verfügung steht.

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Den Weg zum Markt haben wir übrigens dank Yolene Legrand, einer hilfsbereiten New Yorkerin, schnell gefunden. Sie ist gerade am Weg zu ihrem Atelier gleich neben dem Union Square und lädt uns prompt ein, sie dort zu besuchen. Und so bestaunen wir nach der Farbenpracht des Marktes die Farbenpracht ihrer Gemälde. Landschaften und Alltagsszenen aus Haiti, New England und Frankreich sind Yolene`s Spezialität.

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On-the-Run meets In-the-Line

Danach holen wir bei Wok to Walk unser Mittagessen, einer Fastfoodkette, die auf lokal hergestellte Produkte und frische Zubereitung setzt. An sich bin ich kein Fan von Imbiss und Take Away, aber es passt zum Drive der Stadt und macht Spaß, jede Zutat selbst auszuwählen. Ich entscheide mich für Vollkornweizennudeln mit Shiitakepilzen und Teriyakisauce. Lange rumüberlegen ist aber nichts, lautet doch „wok to walk“ die Devise und das Hungerstillen wird zur kurzen Angelegenheit.

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Das Kontrastprogramm zu Take Away & Co. bieten Restaurantbesuche. Hierfür sollte man schon etwas mehr Zeit einplanen. Denn vor einem guten Lokal Schlange zu stehen ist Usus und je beliebter es ist, desto länger ist auch die Schlange. Somit darf sie als positives Zeichen gewertet werden…
Wer allen positiven Denkens zum Trotz der Warterei nichts abgewinnen kann, geht am besten etwas früher oder später als die breite Masse essen. Ein simpler Trick, der sich gerade bei jetlagdesorientiertem Appetitaufkommen und viel Zeit weil Urlaub einfach umsetzen lässt.
Im Restaurant selbst geht dann meist alles flott: von der Tischzuweisung bis hin zur Bezahlung. Auch hier wird Entscheidungsfreude bei der Speisenauswahl begrüßt, wobei uns die Serviceteams jedesmal sehr freundlich und hilfsbereit begegnen. Apropos Service: als Trinkgeld  sind 15 bis 20 % des Rechnungsbetrags üblich.
Fazit: Müßiggang und Auswärtsessen werden in NYC unserer Erfahrung nach nicht unbedingt in einen Kontext gebracht. Kein Wunder eigentlich, in NYC steht schließlich stets viel auf dem Programm, aber die Tage haben auch hier nur 24 Stunden.

So isst New York

It`s a melting pot. So vielseitig die Kulturen der New Yorker sind, so vielseitig ist auch das Lebensmittel- und Speisenangebot. Somit sollte für jeden Geschmack und jedes Budget etwas dabei sein. Vor allem auch, weil die New Yorker wohl lieber kochen lassen als selbst in der Küche zu stehen, ist die Auswahl von Street Food bis hin zu gehobenen Restaurants besonders groß. Als typisches Street Food werden Hotdogs, Brezeln oder gebrannte Nüsse (an vielen Ecken duftet es herrlich nach gebrannten Mandeln) angeboten, häufig mit dem Hinweis „gluten free“, „kosher“, „halal“ oder „vegan“ zu sein. Auch Obst- und Gemüsestände flankieren die Straßen.

IMG_6017 Unter den Imbiss- und Take Away-Buden sind asiatisches, italienisches und typisch amerikanisches Essen stark vertreten, daneben feiern Bäckereien und Cafés ein durchgestyltes Come Back. Coffee to go und Essen zum Mitnehmen gibt es übrigens meist auch in Lokalen, die nicht als Take Aways deklariert sind. Meinen Kaffee finde ich jedenfalls mühelos immer und überall…

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Restaurantbetreiber setzen zunehmend auf vegane Gerichte. Andererseits erfreuen sich jene Lokale großen Andrangs, denen es gelingt, das Gefühl von Tradition und Beständigkeit zu vermitteln – „It´s all about the atmosphere.“ Deren Einrichtung und Speisekarte hat dann oft schon einige Jahrzehnte standgehalten. Ein schönes Beispiel ist Barney Greengrass, Feinkostladen und Lokal in einem, spezialisiert auf Räucherfisch. Der Laden, der bereits sein hundertjähriges Bestehen gefeiert hat, dient gerne auch als Filmset, wie wir nach unserem Besuch herausfindenn – insofern haben wir Leonardo di Caprio und Tom Hanks die Klinke in die Hand gegeben – quasi…

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Ein charmantes veganes Restaurant, das zugleich auf ein vierzigjähriges Bestehen zurückblickt, ist Angelica Kitchen. By the way, Ben Stillers favourite…

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Im Umkehrschluss zur Freude am Essen gehen präsentiert sich das Angebot der Supermärkte wenig opulent und ich bin überrascht von den karg bestückten Regalen in Märkten, die ihrerseits stark in die Jahre gekommen sind. Doch wir finden was wir brauchen und zahlen dafür weitaus mehr, als für die gleichen Waren in Österreich.

Insider for FOODFRIENDS

Hier noch einige Insider-Tipps von Lisa Müller von raw freestyle, die mehrere Jahre in NYC gelebt hat…
CHALAIT  – for amazing Matcha Latte with almond milk
TWO HANDS NYC – for yummy brunch
BEYOND SUSHI – vegan sushi bar; crazy stuff!
KAJITSU – japanese vegan kaiseki, michelin star; AMAZING!!!
CITY BAKERY – croissants and coffee; enough said…
SMORGASBURG – food market in Greenpoint and saturday farmers market at McCarren Park
BUCHERS DAUGHTER – healthy food and brunch
BY CHLOE – hip vegan restaurant / diner
LIFETHYME – organic grocery store and best juices& smoothies
MATCHA BAR – Williamsburg matcha and more…

Ein paar Tipps über den Tellerrand hinaus:

Gutes Schuhwerk zahlt sich aus. Die Sneakersdichte an den emsigen New Yorker-Füßen ist entsprechend hoch.  Und nein, es müssen nicht (wie derzeit bei uns) unbedingt Nikes sein …
Eine feine Ergänzung zum Gehen sind Fahrräder, U-Bahn und Uber. Die Fahrradwege wurden in den letzten Jahren stark ausgebaut und Citybikes gibt es an vielen Ecken. Die U-Bahntickets bieten ein gutes Preis-Leistungsverhältnis (Tickets für eine Woche kosten $ 29,-; Stand Okt. 2015) und Uber ist Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen, das uns mehrmals empfohlen wurde.
Egal ob Insidertipps oder Hilfe bei der Orientierung betrifft: einfach die Leute fragen. Wir haben ausnahmslos freundliche, hilfsbereite, interessierte und interessante Menschen getroffen.
Die Stadt pulsiert und hat unglaublich viel zu bieten. Fantastisch sind die Broadway-Shows. Günstige Tickets bekommt man am selben Tag der Aufführung am Times Square bei TKTS bein der riesigen roten Treppe oder von Show-Promotern, die Discountscheine vergeben, mit denen man beim jeweiligen Theater Vergünstigungen bekommt – in unserem Fall für „Chicago“ 50 %.
Wer einen schönen Blick auf die Freiheitsstatue erhaschen will, dem aber die Sicht aus der Distanz reicht, kann die kostenlose Staten Island Ferry nach Brooklyn nehmen. Sie fährt nur ein kleines Stück vom Touristenschiff am Battery Park weg.

Zeit zum Verschnaufen bietet der wunderbare Central Park. Ich wohne bei Städtetrips überhaupt gerne in Parknähe…

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Zum Einstimmen und Nachsinnen

Filme:
New York, I love you (sehr empfehlenswerter Episodenfilm)
Birth (wie erwähnt schaurig schön)
Harry und Sally (No Comment…)

Songs:
Jay Z feat Alicia Keys – Empire State of Mind
Don Henley – New York Minute
Grandmaster Flash and the Furious Five – The Message
Beastie Boys – No sleep till Brooklyn
Bruce Springsteen – New York City Serenade
Lou Reed – Walk on the wild Side
New York State of Mind – Billy Joel
Leonard Cohen – Chelsea Hotel No 2
Ella Fitzgerald – Autumn in New York
Frank Sinatra – New York, New York

TRAVEL. EAT. LOVE. LIFE.

 

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